Myopie bzw. Kurzsichtigkeit: Was ist das?

Bei der Kurzsichtigkeit oder Myopie kann man weit entfernte Objekte schlechter sehen als nahe gelegene. Man kann also „kurz sehen“, man ist kurzsichtig.

Es gibt verschiedene Formen und Schweregrade der Myopie und unterschiedliche Bezeichnungen. Diese Unterteilungen sind wissenschaftlich nicht genau definiert und die verschiedenen Formen können oft nicht klar voneinander abgegrenzt werden.

 

eyeDie Ursache für alle Formen der axialen Myopie ist eine unkontrollierte Augenausdehnung unterschiedlichen Ausmaßes und es gibt keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit. Die Ursache für die Augenausdehnung ist wahrscheinlich eine biomechanisch zu schwache Lederhaut (Sklera). Das ist die Bindegewebshülle des Auges und wenn diese zu schwach ist, wird das Auge „aufgeblasen wie ein Luftballon“ im Gegensatz zu einem Lederfußball mit einer starken Lederhülle.
Neugeborene sind in der Regel hyperop (das Gegenteil von myop), das heißt sie werden weitsichtig geboren. In den ersten beiden Lebensjahren liegt der Mittelwert bei ca. +1 bis +2 Dioptrien. Mit zunehmendem Alter folgt eine Abnahme der Brechkraft der Linse und eine Abflachung der Hornhaut (Cornea). Zusätzlich tritt ein Augenlängenwachstum ein. Durch diese Prozesse stellt sich die Normalsichtigkeit (Emmetropie) bis zum 8 – 12. Lebensjahres ein. Die gesunde Augenlänge beträgt dann ungefähr 24 mm.
Wie der Organismus die korrekte Augenlänge reguliert, ist in vielen Details noch nicht geklärt, aber Seheindrücke und bestimmte genetische Veranlagungen spielen bei dem Prozess der Emmetropisierung wohl gemeinsam ein Rolle.

 

GlassesDie Kurzsichtigkeit ist eine weltweit auftretende Form optischer Fehlsichtigkeit des Auges. Sie ist zumeist Folge eines zu lang gewachsenen Augapfels (ca. 95% der Kurzsichtigen haben eine Achsenmyopie: zu lange optische Achse des Auges). Das Ergebnis ist ein Abbildungsfehler, der weit entfernte Objekte unschärfer erscheinen lässt als nahe gelegene.
Der Unterschied zwischen einem kurzsichtigen und einem normalsichtigen Auge besteht nur in der Abstimmung der Brechkraft von Hornhaut und Linse auf die Distanz zur Netzhaut. Bei einem kurzsichtigen Auge ist die Entfernung der Hornhaut und Linse von der Netzhaut größer als beim normalsichtigen Auge. Ein kurzsichtiges Auge ist länger und kann aus der Ferne kommende Strahlen nicht scharf auf der Netzhaut abbilden, sondern nur davor. Das heißt, das Bild wird nur unscharf wahrgenommen und Details verschwimmen.

health eye axial myop

seh testDas Ausmaß der Kurzsichtigkeit ist messbar und wird in Dioptrien (D) angegeben. Unter Dioptrie versteht man die Maßeinheit für die Brechkraft eines optischen Systems. Negative Dioptrie-Werte stehen für Kurzsichtigkeit, positive für Weitsichtigkeit. Je größer der Wert, desto stärker muss die Korrektur sein und desto schlechter kann man ohne Sehhilfe sehen.

 

 

GlassesDie Schulmyopie (Myopia simplex) ist die häufigste Form der Kurzsichtigkeit. Sie kann als physiologische (nicht krankhafte) Form der Myopie betrachtet werden, da diese Fehlsichtigkeit mit einfachen Mitteln (z.B. dem Tragen einer Brille oder von Kontaktlinsen) ausgeglichen werden kann. Beträgt die Augenlänge bei Normalsichtigen etwa 24 mm, so kann die Augenlänge bei der Myopia simplex auf bis zu 26,5 mm anwachsen und die Dioptrienzahlen liegen dann im Bereich von 0 bis -6 dpt. Ab -6 dpt und einer Augenlänge von mehr als 26,5 mm wird die Kurzsichtigkeit dann als „hohe Myopie“ eingestuft und kann Komplikationen nach sich ziehen.

Man nimmt an, dass genetische als auch Umweltfaktoren (z.B. Bildschirm-Naharbeit, zu wenig „outdoor activity“) bei ihrer Entstehung eine entscheidende Rolle spielen. Sie entwickelt sich meist im Alter von 10-12 Jahren. Bis zum 25.-30. Lebensjahr ist die Ausprägung der Schulmyopie üblicherweise abgeschlossen, kann sich aber schleichend um wenige Dioptrien bis ins höhere Erwachsenalter verschlechtern (Beachte: das ist keine progressive Myopie).

Aktuelle Therapiemöglichkeiten (Schulmyopie)

SchulmyoBei der Schulmyopie kann der Brechungsfehler und die damit einhergehende Fehlsichtigkeit durch das Tragen von Hilfsmitteln, z.B. Brillen oder Kontaktlinsen, korrigiert werden. Eine operative Korrektur der Brechkraft der Kornea, die heutzutage meist mit Hilfe eines Lasers (LASIK) durchgeführt wird, ist in vielen Fällen ebenfalls möglich, sollte aber nur mit Vorsciht oder gar nicht in einem Alter angewendet werden, wenn das Auge noch wächst.

Durch das Tragen einer Brille wird die Kurzsichtigkeit mit einer Zerstreuungslinse (konkave Linse) korrigiert.

Kontaktlinsen: Kontaktlinsen ermöglichen auch bei starker Kurzsichtigkeit eine optimale Sehschärfe. Nach Vermessung der Brechkraft des Auges, der Hornhautoberfläche und Untersuchung des Auges wählt der Augenarzt unter verschiedenen Kontaktlinsenarten die für das Auge geeignete Kontaktlinse aus und passt sie an. Wenn das Auge für Kontaktlinsen geeignet ist und die Pflegehinweise, sowie regelmäßige Kontrolltermine eingehalten werden, können Kontaktlinsen über lange Zeit problemlos getragen werden. Allerdings sollte immer auch eine Brille in der richtigen Stärke vorhanden sein, da man Kontaktlinsen nicht permanent tragen darf.

Operative Verfahren: Eine operative Korrektur der Kurzsichtigkeit ist sinnvoll, wenn dem Fehlsichtigen das Tragen von Brille oder Kontaktlinsen aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist. Refraktive Operationsverfahren (z.B. LASIK) haben heute einen hohen Qualitätsstandard. Abhängig von der Ausprägung der Kurzsichtigkeit empfiehlt der Augenarzt eine geeignete Operationsmethode. Eine umfassende Untersuchung des Auges und eine kompetente Aufklärung sind eine wichtige Voraussetzung für den Operationserfolg.

 

Als progressive Myopie bezeichnet man ein stetes Wachstum des Augapfels über das vollendete 20. Lebensjahr hinaus. Dies hat eine immer stärker werdende Kurzsichtigkeit zur Folge. Die progressive Myopie ist oft schon im jugendlichen Alter (ab 12 Jahre) mit hohen Myopiewerten von -6 dpt und mehr verbunden und verschlechtert sich oft bis ins höhere Erwachsenalter. Ab dem 40-50 Lebensjahr kann es dann oft zu Verlangsamung bzw. zum Stillstand der Augenausdehnung kommen. Wenn es bis in dieses Lebensalter zu keinen Netzhautschäden gekommen ist, verringert sich das Risiko an einer Myopie-assoziierten Netzhauterkrankung zu erkranken (Beachte: es können dann aber andere altersbedingte Netzhauterkrankungen dazukommen). Eine progressive hohe Myopie muss also nicht zwangsläufig zu Netzhautdegenerationen und partieller Erblindung führen. In 40-50% der Fälle sind hohe Myopien mit mehr als -10D gutartig. Die Sehschärfe kann bei entsprechender Korrektur erhalten werden.

Aber mit zunehmender Augenausdehnung erhöht sich auch das Risiko einer Netzhauterkrankung. Bei einigen Betroffenen ist auch in höherem Alter eine weitere Augenausdehnung zu beobachten. Aufgrund der zunehmenden Augenlänge kann es zu einer Überdehnung der Blutgefäße, einer Verdünnung der Aderhaut kommen, die die Versorgung der Netzhaut beeinträchtigt und zu Retinaatrophien führen kann. In der Netzhaut und der Bruchschen Membran kann es sogar zu kleinen Rissenkommen. Diese Risse ermöglichen das Eindringen von Flüssigkeit zwischen die Neuroretina (Nervenzellen der Netzhaut: Photorezeptoren/Amacrinzellen/Bipolarzellen/Ganglienzellen) und dem retinalen Pigmentepithel (unterstützt den Stoffwechsel der Netzhaut und das Photorezeptor-Recyling) und kann im schlimmsten Fall zu einer Netzhautablösung führen. Erste Anzeichen hierfür sind verzerrtes Sehen (Metamorphopsien), Sehen von Blitzen (Photopsien), plötzliches Auftreten von rot-schwarzen Flecken vor den Augen (Rußregen) oder ein schwarzer Vorhang, der von unten nach oben aufsteigt. Damit einhergehende Veränderungen der Netzhaut können bis zur Erblindung führen. Es ist deshalb dringlich anzuraten, den Augenarzt zu kontaktieren und die Augen regelmäßig untersuchen zu lassen.

Zusammenhang zwischen Veränderung der Brechkraft und Zunahme der axialen Länge

 

Ungefähr 0,1—0,3 % der westlichen und 3,0 % (bis zu 7%) der asiatischen Bevölkerung leiden unter pathologischer Myopie [fortschreitende axiale Ausdehnung des Auges und die daraus resultierenden pathologischen Veränderungen der Aderhaut (Choroidea) und Netzhaut (Retina)].

Die Erkrankung führt zu einer massiven Einschränkung der Sehfähigkeit, bis hin zur Erblindung. Bisher gibt es keinerlei wirkungsvolle, ursächliche Behandlung. Ursache der progressiven Myopie ist wahrscheinlich eine biomechanisch zu schwache Sklera (Lederhaut) des Auges, was zur anhaltenden Ausdehnung des Augapfels führt und eine Verdünnung der Aderhaut und/oder Netzhautablösungen verursachen kann. Durch die Ausdünnung der Aderhaut kommt es stellenweise zu einer Unterversorgung der Netzhaut, deren Nervenzellen dann absterben. Es kann dann zum Sehfeldausfall und zur partiellen Erblindung kommen. Oft verschlimmert sich das Geschehen dann durch eine Gefäßneubildung (Neovaskularisation), da von der „hungernden“ Netzhaut Signalmoleküle abgegeben werden, die der Unterversorgung der Retina entgegen wirken sollen.

Diese pathologischen Konsequenzen der Myopie , wie z.B. der myopie-assoziierten Neovaskularisation-mCNV (Gefäßneubildung) können vom Augenarzt mit Spritzen oder Augenoperationen behandelt werden. Allerdings können abgestorbene Netzhautareale nicht wieder funktionstüchtig hergestellt werden.

path.MyopieAbbildung: Obere Reihe: Vergleich des Augenhintergrundes (Fundus) eines gesunden Auges (links) mit dem einer pathologischen Myopie im Jahre 2001 und 2009 d.h. 8 Jahre später (Mitte und rechts). Die weißen Areale sind Bereiche der abgestorben Netzhaut und verursachen die Gesichtsfeldausfälle. STelle des schräfsten Sehens (Fovea centralis) ist jeweils mit einem Pfeilkopf gekennzeichnet. Untere Reihe: Zur Verdeutlichung des Ausmaßes der Seheinschränkungen ist die Beschreibung der Gesichtsfeldausfälle des Patienten verbildlicht worden.

 

Abbildung: Eine besondere Form von Augenerkrankungen, die wohl auf eine biomechanisch zu schwache (aufgeweichte) Lederhaut zurückzuführen sind und oft bei myopen Augen vorkommt, ist das Staphylom: eine lokale Aussackung des hinteren Auges (Pfeil). Im MRT Schnittbild der Kopfes ist deutlich das ausgedehnte Auge des Patienten zu erkennen und die lokale Aussackung (Staphylom).Abbildung: Eine besondere Form von Augenerkrankungen, die wohl auf eine biomechanisch zu schwache (aufgeweichte) Lederhaut zurückzuführen sind und oft bei myopen Augen vorkommt, ist das Staphylom: eine lokale Aussackung des hinteren Auges (Pfeil). Im MRT Schnittbild der Kopfes ist deutlich das ausgedehnte Auge des Patienten zu erkennen und die lokale Aussackung (Staphylom).

 

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